Karte: Infos zur Methodologie

Fahrt / Verbundene Einsätze / Ausschiffung

Eine Such- und Rettungsfahrt beginnt mit dem Auslaufen des Schiffes aus dem Ausgangshafen.

Auf See und insbesondere in der Such- und Rettungszone können mehrere Einsätze stattfinden. MSF führt zwei Arten von Einsätzen durch: Rettung von Menschen aus Seenot und Umschlag (Transfer) von Passagieren von bzw. an Bord eines anderen Schiffs. Letztere Aktion dient der effizienten Nutzung der verfügbaren Rettungskapazitäten in der Such- und Rettungszone. All diese Einsätze werden von der Leitstelle zur Koordination der Seenotrettung in Rom (MRCC) koordiniert.

Alle Einsätze, die während derselben Fahrt erfolgen, werden als «verbundene Einsätze» bezeichnet.

Die Fahrt endet mit der Ausschiffung der Geretteten in einem sicheren Hafen, der MSF von der Seenotrettungsleitstelle angegeben wird.

Einleitung des Einsatzes

Die Einsätze von MSF werden folgendermassen eingeleitet:

  1. auf Anfrage der Seenotrettungsleitstelle, die über ein Schiff in Seenot informiert wurde;
  2. nachdem MSF in der Such- und Rettungszone ein Boot in Seenot gesichtet hat; oder
  3. auf Anfrage eines anderen Schiffes (z. B. eines anderen Rettungsschiffes oder der italienischen Küstenwache), das ein Schiff in Seenot gesichtet hat.

In den letzten zwei Fällen hat MSF die Pflicht, die Seenotrettungsleitstelle über das schiffbrüchige Boot zu informieren, woraufhin diese bestimmt, welches Schiff den Rettungseinsatz durchführt. In jedem Fall ist die Seenotrettungsleitstelle für die Leitung und Koordination des Einsatzes zuständig.

Einsätze in Hoheitsgewässern

Der Grossteil unserer Such- und Rettungsaktionen erfolgt in internationalen Gewässern. Allein in Ausnahmefällen können Einsätze in libyschen Küstengewässern stattfinden. Dies geschieht auf ausdrückliche Anfrage und unter der Leitung der MRCC.

Nachverfolgung der Schiffsrouten

Position und Verkehr der Schiffe von MSF werden über Automatic Identification System (AIS) nachverfolgt. Dazu verwendet MSF regelmässige Berichte von Vessel Finder, einem Netzwerk von AIS-Empfängern weltweit.

Diese Berichte (eine Schiffsposition pro Stunde) enthalten folgende Eckdaten:

  • DATUM und UHRZEIT – Uhrzeit des zuletzt erhaltenen Positionsberichts (in UTC)
  • BREITE – Geografische Breite im AIS-Format (World Geodetic System 1984)
  • LÄNGE – Geografische Länge im AIS-Format (World Geodetic System 1984)
  • KURS – Kurs über Grund (in Grad)
  • GESCHWINDIGKEIT – Geschwindigkeit über Grund (in Knoten)
  • IMO-Nummer – Schiffnummer der Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO)
  • ZIEL – Zielhafen, den das Schiff ansteuert (wie manuell vom Kapitän eingegeben)

Vessel Finder erhält die Positionsdaten von AIS-Empfangsstationen und speichert diese in einer eigenen Datenbank. Die Reichweite der Stationen ist begrenzt und wird per UKW-Radiowellen übertragen, die je nach Wetterbedingungen einen Radius von 50­–70 Seemeilen vor der Küste abdecken können. In manchen Gebieten kann die Reichweite aufgrund der herrschenden atmosphärischen oder klimatischen Verhältnisse gestört sein, wodurch der Bericht unvollständig oder ungenau sein kann.

Wetterbedingungen

Pro Einsatz versuchen wir folgende Informationen zu liefern:

  1. Windgeschwindigkeit (in Knoten)
  2. Wellenhöhe (in Metern)

Diese Informationen werden zwei Quellen entnommen: dem Logbuch des Schiffkapitäns (Erhebnung der effektiven Daten vor Ort) und dem Bericht des Wetterkonsortiums LaMMA (Simulationsdaten aufgrund mathematischer Modelle, welche mithilfe der GPS-Koordinaten, der Uhrzeit und der bekannten Wetterbedingungen erstellt werden).